Zurückweisung tut weh.
Und vielleicht hast Du Dich schon Dein ganzes Leben lang von anderen zurückgewiesen gefühlt.

In dieser kleinen Geschichte zeige ich Dir, wie Sara zu der Erkenntnis ihres Lebens kam,
die auch mich sehr berührt hat. Deshalb möchte ich sie heute mit Dir teilen.

Als Sara zu mir kommt, sieht sie müde und abgekämpft aus. Wir trinken einen Tee,
sitzen ein bisschen schweigend beisammen, sie kämpft mit den Tränen. Sie sagt, es ginge um Zurückweisung.
Ich frage sie, ob sie die Tränen nicht einfach laufen lassen möchte und sie weint ein bisschen.
Nach einer Weile erzählt sie.

Wie kommt es zu Zurückweisung?

Sie sei nun fast vierzig und hätte immer noch keinen richtigen Partner gefunden.
Ob Mann oder Frau, da sei sie nicht so festgelegt. Gerade hat sie sich in einen Mann verliebt.
Diesen Mann mochte sie auch sehr, hat ihn sogar zu sich nach Hause eingeladen und sie haben ein
gemeinsames Wochenende verbracht. Am Sonntagabend, beim Abschied, hat der Mann sich wieder
etwas mehr Abstand gewünscht, lieber keine Erotik. Sara blieb stark, sagte, das sei doch kein Problem.
Na klar, sie sei für alles offen. Als er gegangen war, ist sie zusammengeklappt.
Sie konnte nur noch weinen und schluchzen. Sara wusste nicht, woher dieser heftige Schmerz rührte.
Im Verstand war ihr klar, dass sie unverhältnismäßig stark reagierte, und nun
sitzt sie hier, auf meinem Sofa und es tut immer noch weh.

Sara ist gekommen, um ihre belastenden Gedanken mit den Fragen der Work zu überprüfen
und Schritt eins in der Work ist: Den stressigen Glaubenssatz finden.
Den oder die Gedanken, die sie in ihrer Situation geglaubt hat, und die die Ursache für ihren Schmerz sind.

Ich frage Sara: „Was ist Dein Gefühl in dem Moment, wo der Mann, in den Du verliebt bist,
Dir sagt, dass er sich etwas Abstand wünscht? Was fühlst Du, bevor Du zusammenklappst?

Sara wischt sich die Tränen ab und sagt: „Verzweifelt. Ich war verzweifelt. Weil er mich zurückgewiesen hat…“
sagt Sara und Tränen rinnen ihre Wangen herunter.

Der Gedanke, den Sara im Moment ihrer Verzweiflung geglaubt hat, hieß:

Er hat mich zurückgewiesen.

Ja, sagt Sara, der Gedanke an Zurückweisung tut richtig weh.

Sara hat nur eine Stunde Zeit und wir fangen gleich an. Ich bitte sie, sich so gut es geht,
zu entspannen und gar nicht so viel nachzudenken.
Eher aus einer Ruhe heraus alle Antworten, die sich zeigen wollen, auftauchen zu lassen.
Sie lehnt sich zurück und ich erinnere sie an ihre Situation, in der dieser Glaubenssatz sie geschmerzt hatte.
An den Moment, wo er ihr sagt, dass er sich Abstand wünschst.

Dann frage ich sie die erste Frage der Work:

Ist das wahr?
Er hat Dich zurückgewiesen?

Ich lasse diese Frage so stehen, gebe ihr Ruhe und Zeit, damit sie diese Frage in sich bewegen kann.
Sie atmet, seufzt, lehnt sich zurück. Dann sagt sie:

„Ich kann da kein NEIN finden.“

„Oh, das musst Du auch nicht. Du kannst Deine ehrliche, authentische Antwort finden.
Wie lautet Deine ehrliche Antwort? Ja oder Nein?“

„Ja“, sagt Sara. „Er hat mich zurückgewiesen.

Und kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, das Dein Gedanke wahr ist?“
frage ich sie die zweite Frage der Work.
„Kannst Du wirklich einhundertprozentig sicher sein, dass er Dich zurückgewiesen hat?“

Diese Frage scheint Sara zu beschäftigen. Sie überlegt, blinzelt zu mir herüber und fragt:
„Ehrlich und authentisch?“

Ich nicke.

„Ja, kann ich.“

Sie sieht mich an, als erwarte sie jetzt eine Rüge oder Zurechtweisung. Ich sage:
„Niemand muss diese ersten Fragen mit NEIN beantworten. Die Work ist nur eine Überprüfung.
Du findest Deine Antworten, die jetzt gerade für Dich stimmen. Das ist alles.“

Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst? stelle ich die dritte Frage der Work.
Wie hast Du in Deiner Situation reagiert, als Du geglaubt hast, dass er Dich zurückgewiesen hat?

„Ich war verletzt und wütend zugleich.“ Saras Augen werden wieder feucht.
„Und ich verurteile ihn dafür.“ Sie schüttelt den Kopf „Und mich selbst verurteile ich auch.
Ich sage zu mir: ‚Siehst Du!‘ Ich klage mich an, verschließe mein Herz, mach mich klein und hart.
Oh Gott, das fühlt sich so unfrei und abhängig an….“

Seit wann kennst Du diesen Gedanken? ist eine mögliche Zusatzfrage zur dritten Frage.
Mit ihr können wir Zusammenhänge finden und zeitlich in die Tiefe reisen.
„Wann ist der Gedanke, dass andere Dich zurückweisen, zum ersten Mal aufgetaucht?“

Sara überlegt nicht lang und sagt: „Meine Mutter! Meine Mutter hat mich früher zurückgewiesen.
Da gibt es tausende Situationen.“ Wieder stürzen Tränen wie Bäche aus ihren Augen.
„Deswegen tut es ja auch so weh, wahrscheinlich, oder?“ Auf der einen Seite tut es ihr weh,
an die Zurückweisung in ihrer Kindheit zu denken, gleichzeitig ist sie erleichtert,
hat sie doch jetzt eine Idee, woher der übermäßige Schmerz kommt, den sie in ihrer Situation gefühlt hatte.

Ich bitte Sara, einmal tief zu atmen. Und noch einmal.
Das tut einfach gut, nachdem wir so viel Schmerzvolles angeschaut haben.

Wer wärst Du ohne den Gedanken?

lautet die vierte Frage der Work.
„Wer wärst Du? In deiner Situation? Der Mann, mit dem Du das Wochenende verbracht hast
und in den Du verliebt bist, sagt Dir, dass er sich Abstand wünscht.
Und Du hast nicht den Gedanken, dass er Dich damit zurückweist.

„Puh“, sagte Sara, „ohne den Gedanken…nicht einfach…ich höre seine Worte….
er möchte keine Erotik mehr mit mir… und ich denke nicht, dass er mich zurückweist…“

Wer bist Du ohne Gedanken an Zurückweisung?

„Ja, sage ich, schau ihn an. Sieh ihm ins Gesicht. Ohne Deinen Gedanken. Was siehst Du?“

Oh, ja…ohne meinen stressigen Gedanken sehe ich, dass er eine Beklemmung fühlt,
dass es ihm nicht gut geht. Ich sehe das und es tut mir leid.
Ich mag ihn ja wirklich. Das fühlt sich gar nicht hart an.
Eher mitfühlend. Warm und weich. Vielleicht hat es gar nichts mit mir zu tun? Er hat ein Problem…
Ach, da fällt mir ein, dass er an dem Wochenende auch so etwas erzählt hat.
Ja, vielleicht hat es überhaupt nichts mit mir zu tun?“

Sara schaut mich erstaunt an. „Ohne den Gedanken an Zurückweisung bin ich kein Opfer. Ich bin mehr bei mir.
Mein Leben ist ok. Ich spüre, wie er mit sich kämpft und wir sind auf Augenhöhe.
Obwohl er sagt, was er sagt.“ Sara steht auf, geht drei Schritte und setzt sich wieder.
„Das fühlt sich ganz anders an. Ich bin nicht mehr schuldig. Schön, ja, schön ist das.“

Ich schaue sie an und warte solange ab, wie sie ihren Bildern ‚ohne ihren belastenden Glaubenssatz‘
noch folgen möchte. Irgendwann schaut sie mich an und sagt nichts mehr.

Ich frage:
Wie wäre denn dein ganzes Leben, wenn Du diesen Gedanken nicht mehr glauben würdest?

Auch dies ist eine mögliche Zusatzfrage zur vierten Frage.
„Manche Menschen wollen Dich bei sich haben, andere wieder nicht.
Es verliebt sich jemand in Dich und entscheidet sich dann doch anders.
Wie wäre dein Leben, wenn Du diese Handlungen nicht als Zurückweisung ansiehst?“

„Buoh“, sagt Sara und lacht schallend. „Buoh.“
Es sieht aus, als würde sie in Gedanken durch ihr Leben spazieren.
„Genial. Viel leichter. Dann würde ich das, was andere so sagen und tun nicht mehr persönlich nehmen.“

Hier kannst Du lernen, Deine belastenden Gedanken zu hinterfragen

Vorhin hatte Sara ihre Mutter erwähnt. Mit ihren Handlungen hatte es wohl angefangen,
dass Sara stressige Gedanken an Zurückweisung geglaubt hatte.
„Sieh mal Deine Mutter vor Dir, früher, in einer von diesen tausend Situationen. Hast Du eine?“
Sara nickt. „Wer wärst Du in dieser Situation gewesen, wenn Du da nicht gedacht hättest:
‚Sie weist mich zurück‘?

„Du meinst, wenn ich das damals nicht persönlich genommen hätte?“
„Ja, schau Deine Mutter an, in deiner Situation früher. Was siehst Du ohne deinen Gedanken?“

Sara lachte. „Irgendwie will ich aber, dass sie Schuld hat. Wer hat denn die sonst?
Sie hat mich oft angeschrien. Nein, nein, ich verstehe schon.“ Sara atmet noch einmal tief ein.
„Ohne meinen Gedanken ist sie nicht nur meine Mutter. Sie hat ihr eigenes Leben,
ihren eigenen Schmerz, ihre eigene Wut und auch ihren eigenen Kampf. Sie kommt nicht klar.
Deswegen ist sie so.“

„Und wie ist das für Dich, das jetzt so zu sehen? Ohne Schuld?“

„Verrückt, irgendwie. Es ist eine Befreiung, das ohne Schuld zu sehen.
Auch das hatte wahrscheinlich überhaupt nichts mit mir zu tun. Sie musste das einfach so machen.“

Könnte es sein, dass es Zurückweisung überhaupt nicht gibt?

„Zurückweisung ist ja nur ein Wort, eine Bezeichnung, eine Interpretation von etwas, was jemand tut.
Wie wäre Dein Leben, ohne Zurückweisung?“

„Ja, verrückt. Verrückt wäre das.
Alles, was die anderen tun und fühlen und sagen, ist deren Baustelle, nicht wahr?
Es ist deren Kampf durchs Leben zu kommen, deren Selbstfindung. Wenn jemand mich anschreit,
ist es seine Wut, seine Unausgeglichenheit. Ich bin nur der Blitzableiter.
So könnte ich das Leben auch sehen und so wäre es viel einfacher….“

Nach den vier Fragen drehen wir den ursprünglich stressigen Glaubenssatz in sein Gegenteil.
Meist gibt es mehrere. Und meist ist das Gegenteil von etwas stressigem, freundlicher und liebevoller.
Ein Gegenteil von:

Er hat mich zurückgewiesen

könnte sein:

Er hat mich nicht zurückgewiesen

Ich bitte Sara, für dieses Gegenteil, diese Umkehrung ein Beispiel zu finden.
Ein Beispiel, dass es auch wahr sein könnte, dass der Mann, in den sie verliebt war,
sie nicht zurückgewiesen hat.

Das ist keine Gehirnwäsche und auch keine Verdrehung von Tatsachen,
denn Sara schaut nach echten Beispielen, warum diese Umkehrung auch stimmt.
Wir wollen uns hier nicht in die Tasche lügen. Saras erstes Beispiel lautet:

„Es hat mit seinem Leben zu tun, nicht mit meinem. Er möchte etwas Abstand,
Er möchte keine Erotik mit mir. Das liegt in ihm begründet.“

„Gut, kannst Du noch ein Beispiel finden?“

Sara überlegt. „Ja, er hat auch gesagt, dass er gern Kontakt mit mir möchte. Nur halt nicht so nah.“
Sara hatte unter dem Stress ihres Gedankens völlig verdrängt, dass der Mann gesagt hatte,
dass er durchaus gern Kontakt wollte. Durch die Umkehrung kann sie sich nun daran erinnern.
„Er hat mich nicht zurückgewiesen. Er möchte ja Kontakt. Und – da fällt mir auch gleich ein drittes Beispiel ein:
Wir haben ein paar Tage später telefoniert, er hat mich angerufen, und mir von sich erzählt.
Intime Dinge, Dinge, die er nicht jedem anvertrauen würde.
Das heißt auch, dass er mich nicht zurückweist, oder?

Sara sitzt noch ein, zwei Minuten nur da und spürt dem Gefühl nach,
welches sich durch die Umkehrungen eingestellt hat.
Der Horizont ist wieder weiter geworden, sie kann wieder frei atmen
und spürt sogar eine warme Zuneigung zu diesem Mann.

„Welche Umkehrung kannst Du noch finden?“

Ich habe mich zurückgewiesen

lautet die zweite Umkehrung, die Sara nun auf sich wirken lässt.
„Oh ja“, sagt sie. „Das stimmt. Ich hab mich ganz klein gemacht neben ihm.
Alles habe ich gleich persönlich genommen. Das war sicher anstrengend für ihn.“

Sara sinnt nach einem weiteren Beispiel.

„In meiner Kindheit und Jugend gibt es dafür unzählige Situationen. Mit meiner Mutter und meinem Vater.
Es war, als hätte ich beschlossen, nicht mehr ich zu sein.
Ich habe mich bis zur Unkenntlichkeit zurückgenommen.
Ich kann mir vorstellen, dass es für andere seltsam ist, jemanden gegenüber zu haben
und doch kein Gegenüber zu haben. Ja, ich glaube, diese Umkehrung ist viel wahrer.
Ich habe mich zurückgewiesen und ich tue das immer noch.
Aber – “ sagt Sara und setzt sich auf, „Aber das ist ja etwas, was ich ändern kann. das liegt in meiner Hand.
Daran kann ich selbst etwas tun. Daran, was die anderen so tun, nicht. Das ist gut. Ja, ich verstehe das jetzt –
er hat mir dieses Gefühl nicht gemacht – das war ich selbst. Er hat mich eigentlich sogar wertgeschätzt.

„Ah“, sage ich, „das könnte unsere dritte Umkehrung sein.“

Er hat mich wertgeschätzt

„Ja, er hat Interesse an mir gehabt, hat freundlich mit mir gesprochen, hat mich nicht verurteilt.
Er hat sich lediglich mitgeteilt. Er hat gesagt, er wünscht sich etwas mehr Abstand.
Er hat sich mir gegenüber nicht verschlossen, hat mich teilhaben lassen an seinen Gefühlen.
Wenn ich das nicht als Zurückweisung betrachtet hätte, hätte es sogar schön sein können.
Und, “ Sara lacht, „er hat sogar gesagt, dass er für mich da ist, falls ich irgendetwas brauche,
um in den Frieden zu kommen. Mann! Wie konnte ich das denn vergessen!“

Fünf Minuten bleiben noch, dann muss Sara gehen.

„Wie geht’s Dir jetzt?“ frage ich.

„Gut. Friedlich, irgendwie. Mein Herz ist wieder offen. Das ist wirklich ein schönes Gefühl.“

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Wie wäre DEIN Leben, wenn alles, was andere tun, sagen und denken deren Angelegenheit bleibt
und mit Dir gar nicht so viel zu tun hat?

Schreib mir gern wieder, wie Du mit Zurückweisung umgehst
und ob Du Dir vorstellen kannst, Zurückweisung ab jetzt anders zu sehen.

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Über Ina Rudolph

Zwanzig Jahre hat sie als Schauspielerin gearbeitet, dann lernte sie THE WORK kennen und lieben. Sie schreibt Bücher darüber, gibt Seminare, und hilft Menschen in Einzelsitzungen, bessere Perspektiven zu sehen als Kummer und Schmerz. Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie doch eine Nachricht über das Kontaktformular.

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