Welche Schwierigkeiten können wir nicht alles lösen, wenn wir unseren stressigen Gedanken
keinen Glauben schenken? Angst, Depression, Wutanfälle, Unzufriedenheiten, Liebeskummer.
Durch die Arbeit mit THE WORK können wir den Kopf frei bekommen.

Und trotz befreiender und nachhaltiger Ergebnisse,
höre ich manchmal ein Stöhnen:

Warum dauert das so lange? Wieso muss ich dafür so viel tun?
Gibt es nicht etwas, was schneller geht, als belastende Glaubenssätze hinterfragen?
Nichts einfacheres als vier Fragen und Umkehrungen?

Und ja! Ich kenne diese Sehnsucht, die nicht auszurotten ist.
Wir möchten unseren Kopf frei bekommen und wünschen uns eine Tablette,
ein Mittel, einen Zaubertrank, den wir nur einzuwerfen brauchen
(na gut, er schmeckt ein wenig bitter) und dann ist alles gut.
Alle Probleme weg. Alle Schmerzen weg. Kopf frei. Körper frei. Geheilt.
In den Werksmodus zurückversetzt, in dem alles noch gut war.

Und manchmal finden wir diesen Trunk sogar und können es dann nicht glauben.

Wie im folgenden Beispiel:

Zu mir kam, zu mehreren Einzelsitzungen, eine Frau. Ungefähr fünfzig Jahre alt.
Auch sie wollte ihren Kopf frei bekommen.
Ihre Mutter war schon mehrere Jahre tot, ihren Bruder sieht sie kaum, aber wenn,
dann gibt es Zank und Streit. Sie sagt, ihre Mutter sei Schuld
an all den Schwierigkeiten, die sie heute umtreiben.
Wenn sie über ihre Vergangenheit spricht, schüttelt sie stets den Kopf,
ist leicht entflammbar und sagt immer wieder:

Meine Mutter war keine gute Mutter

Diesen Glaubenssatz schrieb ich mir auf und schlug vor, mit diesem Konzept
über ihre Mutter die Überprüfung zu beginnen.
Zu diesem belastenden Gedanken fragte ich sie die erste Frage der Work:

Ist das wahr?

Sie sah mich an, als wäre die Frage ihr völlig fremd. Nie gehört.
„Ja klar“, sagte sie. „Sag ich doch gerade.“
„Gut“, sagte ich und fragte sie die zweite Frage:

Kannst Du absolut sicher sein, hundertprozentig, dass dieser Gedanke wahr ist?
Dass Deine Mutter keine gute Mutter war?

Sie schnappte nach Luft.
„Ja, weil…..“ und es folgte eine Erklärung. Beweise, warum sie mit dieser These Recht hatte.

Ich fragte:
„Und wenn Du für diese Antwort nur ja oder Nein hättest?
Kannst Du Dir absolut sicher sein, dass Deine Mutter keine gute Mutter war?“

„Ja.“ sagte sie. „Das weiß ich weil….“ und wieder folgte eine Erklärung.
Eine Untermauerung ihrer Geschichte über ihre Mutter.

„O.K.“, sagte ich und bat sie, einmal tief zu atmen.
„Das ist die Geschichte, die sich im Moment für Dich wahr anfühlt
und wegen der Du leidest. Du bist hergekommen, um diese Geschichte zu überprüfen.
Du möchtest den Kopf frei bekommen.
Die Work funktioniert, wenn wir die Fragen beantworten.
Wenn wir ganz dicht an diesem Gerüst bleiben. Und NICHT in unsere Geschichte
abdriften, die wir uns sowie schon den ganzen Tag erzählen.“

Ich wartete auf eine Reaktion und sie nickte. Sie atmete.
Wir sahen uns eine Weile an ohne zu reden. Es kehrte Ruhe ein.

„Kannst Du Dir absolut sicher sein, dass Deine Mutter keine gute Mutter war?“

„Nein.“

Ich lies eine Pause, störte die Ruhe nicht und fragte dann die dritte Frage:

Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst?
In den Momenten, wo Du glaubst, dass Deine Mutter keine gute Mutter war?

Sie stöhnte, Unruhe breitete sich wieder in ihrem Körper aus.
„Ja, sie war einfach keine gute Mutter, da kann man jetzt auch nichts mehr dran drehen.
Sie hat… es ist ja klar, dass…. .“

Ich unterbrach sie und wiederholte meine Frage.
„Hach, wie reagiere ich? Tja…“
Sie erhob sich kurz, setzte sich wieder, kratzte sich am Kopf.
„Mensch! Dann bin ich wütend, sauer, aggressiv. Ja, das macht mich total wütend!“

Ich nickte. Das waren Antworten auf die dritte Frage der Work.
Ich konnte bemerken, wie fest sie diese Geschichte glaubte
und wie viel Stress sie dabei empfand.

Und wer wärest Du ohne diesen Gedanken?

fragte ich sie. Das ist die vierte Frage der Work.

Sie schien irritiert, schaute im Raum umher. Nirgends fand ihr Blick einen Halt.
„Ohne diesen Gedanken?“

„Ja. Wenn dieser Gedanke mal nicht auftaucht.“

„Puh“, sagte sie. „Ich bin nie ohne diesen Gedanken.“

„Und wer wärest Du, wenn dieser Gedanke mal nicht da wäre?“

„Aber – er ist doch dauernd da. Weil das Verhalten meiner Mutter mich so geprägt hat, weil….“
und es folgten weitere Sätze der Erklärung.

„Gut“, sagte ich. „Die Work funktioniert, wenn wir die Fragen beantworten.
Ansonsten bleibst Du in Deiner stressigen Geschichte. Das kannst Du natürlich machen…“

„Nein, nein“. sagte sie. „Ich will ja worken, deswegen bin ich doch gekommen…“
Ich lud sie ein, einmal zu spüren, wie sie in den letzten Minuten versucht hatte,
nicht auf die Fragen zu antworten.
Wie sie ihre Aufmerksamkeit immer wieder auf die stressige Geschichte gerichtet hatte.

Die  Aufmerksamkeit  klebt  an  der  stressigen  Geschichte

Wir saßen ein, zwei Minuten ohne zu sprechen beieinander und dann sagte sie:

„Weißt Du, ich glaube, so mache ich es den ganzen Tag. Ich rede innerlich
den ganzen Tag so mit mir. Puh“, sagte sie und legte sich die Hand auf die Stirn.
„Das gibt’s doch gar nicht!“ Und: „Ich drehe mich mit der Geschichte immer im Kreis.
So kann ich auf keinen Fall den Kopf frei bekommen, das merke ich.“

Ich nickte und war berührt, dass sie das gerade so deutlich spüren konnte.

„Und wer wärest Du ohne diese Geschichte?
Wenn Du dir das nicht den ganzen Tag erzählen würdest?
Wo wäre dein Fokus? Deine Aufmerksamkeit?“

Sie schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung…das kenne ich gar nicht …
bei dem, was vor mir liegt, vielleicht?“

„Ja“, sagte ich. „Wie wäre das?“

„Ruhig“, sagte sie. „Irgendwie ruhig. Schön. Dann wäre diese Geschichte gar nicht da –
für einen Moment.“ Sie atmete aus und kam sichtlich zur Ruhe. Jetzt. Hier. Auf meinem Sofa.
„So könnte ich den Kopf frei bekommen…“

„Und wie wäre Dein ganzes Leben, wenn Du Dir diese Geschichte nicht mehr erzählen würdest?“
fragte ich. „Wenn Deine Aufmerksamkeit immer bei dem läge, was vor Dir ist?“

„Schön…ja schön…“ Sie hob den Kopf. „ABER…“

Ich nahm mein Hand hoch. „Mal kurz ohne Aber. Nur mal schauen. Wie wäre es?

„Schön….“ sagte sie und Tränen tropften auf ihr Shirt. „schön….zu schön…
ich kann das gar nicht glauben…. das kann doch nicht so einfach sein….“

Ich bat sie, sich noch einen Moment Zeit zu nehmen für die kleine Reise in das Land,
wo die stressige Geschichte fehlt.

„Zehn Jahre“, sagte sie und schüttelte den Kopf. „Zehn Jahre versuche ich
diese Geschichte nun schon aufzuarbeiten. Ich beschäftige mich mit ihr,
gehe ins Detail und es wird immer mehr. Nie weniger. Und nun…“
Sie nahm sich ein Taschentuch. „Nun kann ich so schnell den Kopf frei bekommen. Das ist verrückt….“

Den  Kopf  frei  bekommen

Sie weinte noch ein bisschen vor Erleichterung, wie sie sagte, auch vor Staunen und Verwunderung.
Sie schrieb sich ein paar Sachen auf und wollte gehen.

Am Abend bekam ich eine mail. Den Rest des Tages hatte sie immer wieder versucht,
in die Geschichte hinein und aus der Geschichte heraus zu treten. Das hatte sich sehr beweglich angefühlt.
Nicht mehr so ausgeliefert und klebrig. Ein paar Tage später waren wir zum telefonieren verabredet
und sie erzählte, es sei genau so, wie ich es in meinem Buch beschreiben würde.
Und na ja, das hätte sie ja auch woanders schon gelesen.
In der Realität sei tatsächlich noch viel mehr da. Nur, wenn sie sich den ganzen Tag
ihre stressige Geschichte erzählt, dann ist die Wahrnehmung nicht offen, für all das andere.
Die Wahrnehmung steckt da fest. So kann man gar nicht den Kopf frei bekommen.

Jetzt lernt sie, ihre Aufmerksamkeit auf all die Dinge zu richten, die es auch noch gibt.
Sie will nicht das Gefühl haben, die stressige Geschichte zu verdrängen. Und sie sagt:

„Es ist noch sooo viel mehr da… immer. Ich kann meinen Körper fühlen, mit meinen Augen sehen,
mit den Händen tasten, und so weiter… es ist immer irgendein Wetter…und es geht so schnell,
ja, es ist eine schnelle Lösung um mich nicht den ganzen Tag problematisch zu fühlen.“

Ihr Fazit:

„Wenn es Schwierigkeiten und Probleme gibt, die nicht gleich lösbar sind,
kann ich meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten. Das ist kein Verdrängen.
Das ist ein Öffnen meiner Wahrnehmung. Wenn ich sehen kann, was noch alles da ist,
dann ist das Problem nicht übermächtig. Es ist eins von vielen Dingen, die da sind,
oder ich fühle es gar nicht….“

🙂

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und schau, ob mein neues Buch etwas für Dich sein könnte.

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Über Ina Rudolph

Zwanzig Jahre hat sie als Schauspielerin gearbeitet, dann lernte sie THE WORK kennen und lieben. Sie schreibt Bücher darüber, gibt Seminare, und hilft Menschen in Einzelsitzungen, bessere Perspektiven zu sehen als Kummer und Schmerz. Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie doch eine Nachricht über das Kontaktformular.

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