Zeit ist Geld. Zeit ist knapp. Zeit vergeht wie im Flug.
Zeit kann man nie genug haben und sie geht eh viel zu schnell vorbei.

All dies fand auch Joachim (Name geändert) als er auf meinem Sofa saß.
Eine unterirdische Melancholie hatte ihn erfasst, alles schien ihm sinnlos,
in Anbetracht der vergehenden Zeit. Er könne ja sowie nicht alles machen,
was ihn interessiert, wofür er brennt, was ihm wichtig ist.

Immer sei die Zeit so voll gestopft. Termine, Arbeit, Verabredungen, Essen muss man auch und schlafen
(kann man das nicht abschaffen?) Sport machen, sich über das Zeitgeschehen informieren,
gut gekleidet sein, sich weiterbilden, Hobbies haben, sich um die Familie kümmern,
und frei sein! Frei sein muss man ja auch noch irgendwann.
Mal ausbüchsen, Fünfe grade sein lassen, einen Schelmenstreich spielen, sich lebendig fühlen.
Er seufzt. Er schüttelt den Kopf. Er schaut mich an.

Ich sage: „Gut! Wollen wir uns diese Glaubenssätze mal anschauen?“
Er nickt und seufzt wieder.
„Was ist das Schlimme an diesem Thema für Dich?“ frage ich ihn.
„Nimm Dir mal ein Minütchen und spüre: Was ist es, was da wirklich weh tut?“

Joachim lehnt sich zurück, schließt die Augen und seufzt.
„Ich habe einfach keine Zeit“ sagt er nach einer Weile, „nicht genug Zeit für alles.“

Ich  habe  keine  Zeit

ist ein stressiger Glaubenssatz, den wir wunderbar hinterfragen können.

Ich bitte Joachim, einmal tief zu atmen. Das tut immer gut.
Dann stelle ich ihm die erste Frage der Work:

Du hast keine Zeit.
Ist das wahr?

Da Joachim die Arbeit mit The Work schon kennt, lässt er sich Zeit für die Frage.
Er antwortet nicht sofort mit dem ersten Besten, was ihm in den Sinn kommt.
Er wartet ein Weilchen, wartet auf Bilder, die auftauchen und auf ein klares Ja oder Nein.
Auf seine ehrliche, authentische Antwort.

„Ja“ sagt er, als er die Augen aufschlägt.

Und kannst Du ganz sicher sein, wirklich einhundertprozentig, frage ich ihn die zweite Frage,
dass dieser Gedanke wahr ist? Dass Du keine Zeit hast?

Die zweite Frage mag so ähnlich klingen wie die erste, ist es für mich aber ganz und gar nicht.
Wenn ich so ausschließlich, so einhundertprozentig frage, suche ich anders nach einer Antwort.

„Nein“, sagt Joachim nach einer Weile, „einhundertprozentig sicher kann ich das nicht wissen.
Wer weiß, vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, die ich nur nicht gesehen habe, bis hierher?“
Er grinst. Diese Vorstellung scheint ihn zu freuen.

Joachim hat schon zweimal auf meinem Sofa die Erfahrung gemacht,
das lediglich seine Sichtweise eingeengt war. Dass ein Schmerz, den er verspürte nur daher kam,
dass er etwas stressiges glaubte und damit andere Blickwinkel ausgeschlossen hatte.
Sobald seine Sicht sich wieder weitete, konnte er friedlichere, freundlichere Möglichkeiten sehen.

Wie reagierst Du, Joachim, wenn Du den Gedanken glaubst, Du hättest keine Zeit?“
frage ich ihn die dritte Frage.

„Ach, das ist schrecklich“, seufzt er und erzählt, wie sinnlos ihm dann alles erscheint.
Oder wie er in Stress verfällt, alles auf einmal machen will und darin fast kollabiert.
„Stressig“ sagt er, „total stressig. Ich kann mein Leben nicht genießen, es fließt an mir vorbei.
Und eigentlich möchte ich doch so viel Schönes machen.“

„Ja“, sage ich. „Gut zu sehen. So ist Dein Leben, wenn Du in dieser Sichtweise fest hängst,
wenn Du diesen Gedanken glaubst.“

„Und wer wärest Du ohne diesen Gedanken?“
frage ich ihn die vierte Frage der Work.
„Wenn Du nicht glauben könntest, dass Du keine Zeit hast oder diese Art Gedanken gar nicht auftauchen?

Wieder nimmt sich Joachim Zeit. Zeit, die er braucht, um sich sein Leben vorzustellen,
in dem er diesen Gedanken nicht glaubt. Er will immer noch viel machen und schafft nicht alles.
Und doch kann er nicht mehr glauben, dass er keine Zeit hat. Diese Gedanken sind abwesend.

„Oh, ja“, sagt Joachim, „ohne diese Gedanken ist es schon mal schön. Da fällt eine Menge Stress weg.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, mache ich immer irgendetwas und bin mit Haut und Haar dabei.
Und wenn diese Sache eine Sache ist, die mir wichtig ist, dann ist es das. Mehr brauche ich nicht.
Das Nachdenken ist das, was blöd ist, das Grübeln.“

Joachim sieht fröhlich aus. Und er wippt mit seinem Fuß. Seine Lebensgeister scheinen sich wieder zu regen.

Am Ende der Work verkehren wir den Gedanken, der am Anfang Stress ausgelöst hat, in sein Gegenteil.
Denn das Gegenteil von etwas Stressigem ist meist freundlicher und liebevoller.
Ein mögliches Gegenteil von: Ich habe keine Zeit lautet:

Ich  habe  Zeit

Ja, sagt Joachim, das ist auch wahr. Ich habe genug Zeit.
Ich habe genau so viel Zeit pro Tag wie alle anderen Menschen auch.
Und es gibt Menschen, die haben viel weniger Zeit als ich.“
Joachim erzählt von einem seiner Schulfreunde, der schon gestorben ist.
„Der hatte definitiv weniger Zeit auf dieser Erde.“ Jetzt, wo Joachim an den verstorbenen Freund denkt,
spürt er Dankbarkeit, dass er noch hier sein darf, noch am Leben ist und ihm so viel offen steht.

Noch ein Gegenteil von Ich habe keine Zeit könnte lauten:

Ich  habe  zu  viel  Zeit

Könnte das auch wahr sein? Joachim lacht. „Ja, wahrscheinlich.
Ich habe zu viel Zeit, denn ich habe sogar Zeit übrig, um über zu wenig Zeit zu klagen.“
Jetzt lachen wir beide.

„Ich bin ein Glückspilz“, sagt er, „das kann ich jetzt wieder sehen.
Ich lebe und ich darf Dinge tun, die ich möchte. Ich bin frei. Ich muss nicht um mein Überleben kämpfen,
muss nicht hungern und habe keine schwere Krankheit.
Wenn ich meine Zeit nicht mit klagen verschwende, dann hab ich ganz viel Zeit.“

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Wie steht es bei Dir? Glaubst Du auch, dass Du keine Zeit hast?
Und an welcher Stelle verschenkst Du sie?

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Über Ina Rudolph

Zwanzig Jahre hat sie als Schauspielerin gearbeitet, dann lernte sie THE WORK kennen und lieben. Sie schreibt Bücher darüber, gibt Seminare, und hilft Menschen in Einzelsitzungen, bessere Perspektiven zu sehen als Kummer und Schmerz. Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie doch eine Nachricht über das Kontaktformular.

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