Neulich plauderte ich nach einer Einzelsitzung noch ein wenig mit Klaus. Wir standen im Flur, er zog seine Schuhe an und war guter Dinge. Er hatte sich etwas Großes vorgenommen und nach unserer Sitzung konnte er frohgemut darauf zugehen.

Nun ging es aber erstmal in den Urlaub. Er schwärmte davon, wie er die Sonne genießen werde, wie seine Frau sich freuen wird, dass er nun guter Dinge ist und dass er, so befreit, wie er sich jetzt fühlt, der Charmebolzen sein kann, den sie so mag. Dann bräuchte er nur noch ein bisschen Ruhe, gutes Essen und frische Luft und der Urlaub wäre perfekt. Er strahlte mich an und gab mir die Hand. Ich nahm sie und zögerte einen Augenblick. Unsere Sitzung war beendet, er war schon fast aus der Tür und fröhlich schien er auch zu sein.

Allerdings hatte ich, der ich ein geübter Hörer von belastenden Glaubenssätzen bin, in seinen Abschiedsworten potentiellen Stress gehört. Ich wollte mich vergewissern und fragte nach:

„Und was, wenn nicht? Was, wenn die Sonne nicht scheint? Was, wenn Dir gar nicht danach zumute sein sollte, der Charmebolzen zu sein? Wenn die Luft nicht frisch, das Essen nicht lecker und der Urlaubsort nicht wirklich ruhig ist?“ Also ich hatte solche „Überraschungen“ schon erlebt. Nicht, dass ich vorhatte, ihm die Laune zu verderben oder ihm den Urlaub madig zu machen. Dennoch schaute Klaus plötzlich unglücklich drein. Er knickte im Körper etwas ein. Dann sah er mich verständnislos an. „Was meinst Du damit?“

Ich fragte: Kannst Du Dir denn sicher sein, dass all diese Dinge auf Deiner Urlaubs Checkliste auch eintreten?
„Nö“ sagte er kleinlaut „kann ich nicht.“
„Und wie ist Dein Urlaub nachher, wenn Du diese Dinge nicht bekommst?“
„Ja blöd“, sagte er und sein Gesichtsausdruck war ein großes Fragezeichen.
Ich atmete einmal tief ein und fragte:
„Wer wärest Du jetzt, vor dem Urlaub, OHNE Dein Konzept, wie Dein Urlaub zu sein hat?
Ohne die Idee, wie Du sein musst und was Du brauchst, damit das ein schöner Urlaub wird?
Ohne diese möglicherweise stressige Urlaubs Checkliste?“

Klaus  hatte  unbewusst  eine  stressige  Urlaubs  Checkliste

„Hm“, sagte Klaus und setzte sich auf den Stuhl in meinem Flur. Er stellte sich vor, wie es wohl ohne seine genauen Vorstellungen über den Urlaub wäre. „Also, wenn ich keine Bedingungen an den Urlaub habe, meinst Du das? Ich nickte. Oft sind Konzepte, die wir uns zurecht legen, gut gemeint. Wir wollen nur das Beste. Und wenn wir bekommen, was wir uns wünschen – fein. Aber was, wenn nachher alles anders ist? Muss dann der ganze Urlaub im Eimer sein?

„Na ja“, sagte Klaus. „Ohne meine Bedingungen wäre ich ganz offen.
Dann packe ich meinen Koffer, fahre woanders hin – und mal sehen, was passiert.“
„Und wie ist das für Dich?“
„Ganz gut“ sagte er und sein Gesicht hellte sich wieder auf.
„Nein, warte mal – ich merke, das ist nicht nur ‚ganz gut‘. Das ist richtig toll. Dann lass ich das Leben rein. Dann MUSS die Sonne nicht scheinen. Und ich muss nicht charmant sein. Dann stehen ganz andere Punkte auf meiner Urlaubs Checkliste. Ich darf dann sein, wie ich halt gerade bin …einfach da sein, und mal sehen…dann lass ich mich überraschen, was so passiert. Krass“ sagte er und sprang auf. „Das ist ja noch besser! Sogar viel besser!“

Eine  Urlaubs  Checkliste  ohne  Bedingungen

Ich lachte, freute mich aufrichtig und reichte ihm die Hand. „Na dann, schönen Urlaub, wünsch ich Dir!“

Lies hier, wie Du ohne stressige Glaubenssätze den Kopf freibekommst.

Und den wünsch ich Euch auch. (Mir übrigens auch – in zwei Tagen gehts los.) Ich werde mich jedenfalls überraschen lassen. Meine Intuition hab ich ja immer dabei und die wird mir zeigen, was ich mag und was nicht. Was steht denn auf meiner Urlaubs Checkliste?
Nix.
Echt?
Wenn die Sonne scheint – super. Wenn nicht – super. Wenn ich an der Sonnenscheinbedingung nicht festhalte,
wird sich mit Sicherheit irgend etwas anderes schönes finden, was wir machen können.

Und Du?
Hast Du genaue Vorstellungen über Deinen Urlaub und wie der verlaufen muss? Was steht auf Deiner Urlaubs Checkliste? Und wärest Du unglücklich, wenn diese Vorstellungen sich vor Ort nicht einlösen? Wenn das Essen nicht so ist, wie Du möchtest, Dein Partner sich nicht von seiner obercharmanten Seite zeigt, die Sonne nicht scheint? Es zu heiß oder zu kalt ist? Das Hotel auf einer Baustelle liegt? Und liegt all das in Deiner Hand? Kannst Du wirklich machen, dass Du diese Dinge bekommst?

Wenn nicht, probiere doch mal, wie es wäre, wenn diese Bedingungen nicht auf Deiner Urlaubs Checkliste stünden. Am Ende sind diese Bedingungen ja nur Gedanken. Gedanken, die Du glaubst. Und das Leben (und vielleicht auch der Urlaub) machen am Ende ja doch, was sie wollen.

Neulich durfte ich schon ein Stück von diesem Kuchen kosten. Ich war unterwegs, eine Art Kurzurlaub, wollte zurück nach Berlin und kam pünktlich 15 Minuten vor Abfahrt meines Zuges am Münchner Hauptbahnhof an. Wer nicht kam, war mein Zug. Aber nicht nur mein Zug kam nicht, sondern überhaupt kein Zug kam. Keiner! Wie ich erfuhr, brannte es auf den Gleisen kurz vor München und verständlicherweise wollte die Bahn die Stelle erst einmal räumen, bevor dort wieder Züge fahren konnten.

Und?
Hab ich mich geärgert?
War ich sauer und habe geschimpft, dass die Dinge nicht so liefen, wie ich sie mir gedacht hatte?

Nein. Fasziniert stand ich vor der Anzeigetafel. Nichts ging mehr. Und das für alle. Höhere Gewalt, quasi. Mein Plan für diesen Tag wurde durcheinander gebracht und in mir stellte sich ein kleines Abenteuergefühl ein. Ändern konnten wir die Situation sowieso nicht.

Ich griff zum Telefon und verschob die drei Termine, die für diesen Abend noch im Kalender standen. Immer noch stand an der Anzeigetafel: „Züge fallen heute aus…“ Und das fühlte sich gut an. Ich kann nicht immer alles beeinflussen und unsere Welt ist keine Maschine, die auf Hochleistungsexaktheit arbeitet. Alles lebt, bewegt sich, arbeitet, verändert sich, und lehrt uns, dass es nicht sinnvoll ist, Dinge zu fest zurren zu wollen.
Es gibt keine Sicherheiten. Für niemanden.

Ich kann es gar nicht hinkriegen, dass mein Leben immer so läuft,
wie ich mir das ausgedacht habe. Unmöglich. Na bloß gut!

Ein  kluger  Spruch  für  die  Urlaubs  Checkliste

Wie ging der Spruch noch gleich?
„Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Und ob er nun von John Lennon oder von Goethe ist, oder noch jemand ganz anderes
ihn zuerst ausgesprochen hat – et kütt wie et kütt (Rheinisches Grundgesetz)
und hinterher ist man immer schlauer.

Hast Du auch noch einen schlauen Spruch, der dazu passt?  😉

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Teilen Sie den Beitrag doch mit Ihrem Netzwerk!

Über Ina Rudolph

Zwanzig Jahre hat sie als Schauspielerin gearbeitet, dann lernte sie THE WORK kennen und lieben. Sie schreibt Bücher darüber, gibt Seminare, und hilft Menschen in Einzelsitzungen, bessere Perspektiven zu sehen als Kummer und Schmerz. Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie doch eine Nachricht über das Kontaktformular.

Sie möchten nichts von mir verpassen? Dann melden Sie sich zu meiner Newsletter an:
Zur Newsletter-Anmeldung

NEWSLETTER ABONNIEREN

Hier bekommen Sie:

Alle drei Wochen praktische Tipps, wie Sie Ihr Leben genießen, ohne es von Grund auf ändern zu müssen

Vielen Dank! Bitte bestätige jetzt Deine E-Mail Adresse.

Trage dich in meine Newsletter ein und
hol dir jetzt deine
Anleitung zum loslassen!

Du erhältst regelmäßig meine Newsletter und als Dankeschön meine Anleitung zum loslassen. Mit dieser Anleitung kannst du damit sofort beginnen.

Du hast dich erfolgreich eingetragen. Bitte checke jetzt deine E-Mails.

NEWSLETTER ABONNIEREN

Hier bekommen Sie:

Alle drei Wochen praktische Tipps, wie Sie Ihr Leben genießen, ohne es von Grund auf ändern zu müssen

Vielen Dank! Bitte bestätige jetzt Deine E-Mail Adresse.