Ist Selbstliebe anstrengend? Muss man dafür diszipliniert sein? Üben? Sich beherrschen? Und bin ich jemand anderes, wenn ich mich ändere?

Ich möchte Euch hier einen kleinen Auszug aus meinem gerade erschienen Buch zu lesen geben 🙂

Vorwort:

Nicht alles, was wir glauben, ist auch wahr. Ich bekomme nichts hin!  Ich bin zu dick/ zu dünn! Ich bin zu faul/ zu ehrgeizig! Ich sollte mal locker lassen können! Ich bin nicht gut genug! Mit mir stimmt was nicht!  Ich müsste anders sein, als ich bin!

Wie fühlt es sich an, wenn Sie sich Vorwürfe machen, streng mit sich sind und sich kritisieren? Ist Ihr Leben dadurch besser geworden? Liebevoller? Und können Sie sich wirklich sicher sein, dass diese Gedanken wahr sind?

Wenn Sie solchen Gedanken glauben, können Sie Ihre eigene Schönheit nicht wahrnehmen, sehen nicht, wo Sie genug sind, liebevoll und genau richtig, so, wie Sie sind. Dieserlei Gedanken verwehren Ihnen den Eintritt ins Paradies und stressen Sie unnötig.

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In diesem Buch zeige ich Ihnen, wie Sie solche Glaubenssätze finden, überprüfen und auflösen können. Wie Sie bessere Perspektiven finden als Kummer und Schmerz. Glauben Sie Ihren stressigen Gedanken nicht mehr, löst sich auch die Härte gegen sie selbst und andere Menschen auf. Ihr Blick weitet sich und sie sehen Perspektiven, die vorher auch schon da waren, die Sie aus Ihrer verengten Wahrnehmung jedoch nicht sehen konnten.

Mit einem freundlichen Blick auf sich selbst können Sie entspannen. Ihr Leben mit Freude angehen.  Spüren, wie gut es Ihnen geht. Sie empfinden Ihre Welt als reich, voller Möglichkeiten und das ist auch wahr. Von diesem Lebensgefühl aus können Sie in ein schönes Leben starten. Und was immer Sie vorhaben, wird Ihnen eher gelingen! Los geht’s!

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Eine Geschichte aus dem neuen Buch:

Selbstbild

Bevor ich The Work kennenlernte, war mein Leben gefüllt mit anderen Methoden, durch die ich mich geschnuppert habe. Ich begann mit Gestalttherapie, weil ich ein schönes Buch darüber gelesen hatte (Gras unter meinen Füßen), dann kam ich zur Familienaufstellung, von dort zur Kinesiologie, zwischendrin waren noch Tai- Chi und Chi Gong dran und irgendwann fand ich eine Lehrerin, die hatte extra Tools für Sänger und Schauspieler.  Und sie machte NLP.  Das alles war furchtbar interessant, und ich beschloss, neben meinem Schauspielberuf eine Ausbildung zum NLP-Master zu machen.

Eines Tages lernte ich dort, dass man die Menschen in zwei Kategorien einteilen kann (So beginnen ja auch manche Witze »Es gibt zwei Arten von Menschen …« ) Man unterscheidet im NLP zwischen »Matcher« und »Mismatcher«. Matcher sind diejenigen, die gern anderen folgen, Gleichklang schätzen und bereit sind, sich harmonisch in ein System einzufügen.

Die Mismatcher legen nicht so viel Wert auf Harmonie. Ist man ihnen nicht so wohlgesinnt, sagt man ihnen nach, dass sie ständig etwas zu kritisieren haben, immer überall die Schwachpunkte sehen, Verbesserungen vorschlagen und einfach nerven, weil sie unbequem sind. Etwas wohlmeinender könnte man sagen, sie seien Vordenker, Pioniere, Leute, die was riskieren, die auch dann zu ihrer Meinung stehen, wenn die Menge anders denkt, und die bereit sind, alles in Frage zu stellen

Mit einem gewissen Unbehagen stellte ich damals fest, dass ich in dieser Kategorisierung keinerlei Chance hatte, mich durchzumogeln. Ich konnte nicht behaupten, ein Mischtyp zu sein, der irgendwie von beiden etwas hat, je nachdem, in welcher Situation er sich befindet. Als es darum ging, wer aus unserer Gruppe ein Mismatcher war, wurden nur zwei Leute angesehen. Eine davon war ich.

Damals bin ich erschrocken, denn ich sah vor allem das Negative am Mismatcher. Aha, ich gehe anderen also auf die Nerven, meine gut gemeinte Kritik ist anscheinend nicht willkommen und mein Scharfblick nicht erwünscht. So so. Na fein.

Als ich den Schmerz dahinter bemerkte, fragte ich mich: Kann ich denn jemand anderes sein? Jetzt, hier, sofort? Gibt es die Möglichkeit, mich dafür zu entscheiden, ein Mensch zu sein, der für andere keine Last ist? Kann man freiwillig zum Matcher konvertieren? Und, Moment mal kurz, will ich das überhaupt? Denn ehrlich gesagt gibt es ja auch bei den Matchern Aspekte, die andere durchaus nerven können. Zum Beispiel sind sie Mismatchern gegenüber oft nicht so tolerant.

Ich beobachtete meine Gedanken. Was sagte mir mein Schmerz? Ich wollte, dass andere nur die angenehmen Teile des Mismatchers an mir entdecken. Die wollte ich geschätzt wissen. Die Welt sollte mich als Bereicherung wahrnehmen, als freundliche Pionierin, als jemanden, der zwar Dinge in Frage stellt, jedoch so, dass es alle nur freut und niemanden nervt. Ich wollte die schöne, die rote Hälfte vom Apfel, aber ohne die Gefahr, dass mir der Bissen im Halse stecken bleibt.

Später, als ich die Work kennenlernte, tauchte dieser Wunsch wieder in mir auf. Ich wollte die Gute sein, eine reine Weste haben. Man sollte mir nicht an den Karren fahren können. Schneewittchen ohne Feinde, ohne die böse Königin. Einfach nur weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie das Ebenholz des Fensterrahmens.

Langweilig, sagen Sie? Sie meinen, Schneewittchen hätte sich ohne Gegenspieler am Schlossbüffet dick und rund gefuttert, wäre träge und stumpf geworden und niemals in die Märchengeschichte eingegangen?

Ich entdeckte den Glaubenssatz:

Mir sollte man nicht an den Karren fahren können.

Und stimmt das? Ist das wahr? 

Gibt es überhaupt einen Menschen auf der Welt, dem man nicht an den Karren fahren kann?

Einige Politiker mussten in der letzten Zeit zurücktreten, obwohl es lange Zeit so aussah, als wäre ihre Weste blütenrein. Selbst Kanzlerin Merkel, die sich anscheinend niemals etwas Relevantes hat zu Schulden kommen lassen, ist nicht nur die Gute. Auch Obama nicht. Über Mutter Teresa hat man herausgefunden, dass ihr Missionierung wichtiger war als die eigentliche humanitäre Hilfe und der Dalai Lama wird wegen Abspaltungsaktivitäten von China kritisiert. Wie könnte ich es da schaffen, dass mir niemand an den Karren fahren kann? Oh, doch, ich sehe eine Möglichkeit! Ich könnte so langweilig, trist und uninteressant sein, dass nichts und niemand auch nur ein Fünkchen Lust verspürt, seinen Karren meinetwegen überhaupt aus dem Schuppen zu holen. Ich könnte still und leise in meinem Kämmerlein sitzen, ohne mich am Weltgeschehen zu beteiligen.

Aber, Hand aufs Herz, diese Chance habe ich längst vertan. Es ist also nicht wahr. Vielleicht sogar unmöglich.

Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube?

Oder: Wie geht es mir, wenn ich etwas möchte, was nahezu unmöglich ist? Wie fühlt es sich an, wenn ich nur meine guten Anteile erlaube und den Rest verstecken muss?

Ich erinnere mich an eine anstrengende Zeit in meiner Jugend, in der ich gern unangreifbar gewesen wäre. Alles, was ich anderen Menschen gegenüber äußerte, wurde von mir im Vorfeld geprüft und gefiltert. Es durfte ja nichts von den unerwünschten Anteilen das Licht der Welt erblicken Ich konnte mir partout nicht gestatten, auch mal ungerecht zu sein, aufzubrausen oder zuzugeben, dass ich auch fiese Gedanken hatte. Das reine, unschuldige Schneewittchengesicht musste gewahrt werden. Kam auch nur der Hauch einer Kritik, erschrak ich, als wäre ich mit dem Jäger aus dem Märchen unterwegs in den Wald, unterwegs zu meiner Hinrichtung. Kritik durfte nicht sein!

Nicht nur, dass so ein Verstellen und Verstecken mühselig ist, es ist auch umsonst. Es kommt der Tag, da hat man sich mal nicht »im Griff«, da unterläuft einem ein Fehler, da hat man mal kurz nicht aufgepasst oder sich von seinen Emotionen mitreißen lassen. Ich bin jemandem über den Mund gefahren, habe ihn nicht ausreden lassen, hatte ein ungerechtes Urteil, oder habe etwas weitererzählt, was ich besser bei mir behalten hätte Und dann fliegt man auf! Auwei! Welche Scham! Mich hat es damals oft Wochen gekostet, um mir solche »Ausrutscher« zu verzeihen. Noch dazu fühlte sich mein Kontakt zu anderen Menschen flach an. Wir gingen nicht gemeinsam durch dick und dünn. Die emotionalen Ausschläge sollten nur die anderen haben, ich wollte immer schön konstant sein.

Und nicht zuletzt: Wohin sollte ich mit den Teilen, auf die ich das Etikett: ›unerwünscht!‹ geheftet hatte? Was passierte im Versteck mit der Wut, dem Ärger, der Enttäuschung und mit dem Bedürfnis, sich mal so richtig gehen zu lassen, mal über die Stränge zu schlagen?

Als ich fünfundzwanzig wurde, zerbrachen diese Teile bei mir das Schloss. Sie wollten einfach nicht länger eingesperrt sein. Dann musste ich aber aus der Welt. Ich habe mich also eine Weile nicht sehen lassen. Habe alles heimlich mit mir ausgemacht. Oder ich wurde krank, das passte dann immer ganz gut.

Wenn ich in meinem Leben zurückschaue, gab es gefühlt schon immer diese beiden scheinbar gegenteiligen Wünsche: Einerseits wollte ich nicht alles so machen wie die anderen, sondern hatte Lust am Experimentieren, am Überschreiten von Grenzen und am Risiko, und andererseits sollten meine Experimente immer auf sicherem Boden stattfinden. Ich wollte mich gleichzeitig in mir aufgehoben fühlen und mir der Sympathie aller Menschen sicher sein.

In meiner Kindheit und Jugend waren das Gegensätze, die ich nicht verstand Als ich dreißig wurde, schloss ich meinen Frieden damit, dass es nun mal unvereinbare Gegensätze seien. Es schien offensichtlich, dass beides nicht zur selben Zeit zu haben ist. Heute, mit fast fünfzig, sind es für mich keine Gegensätze mehr. Beides ist gleichzeitig möglich. (Am Rande bemerkt ist dies wieder ein Beispiel dafür, wie schön es doch ist, älter zu werden )

Als ich die Work kennenlernte, konnte ich mich fragen:

Wer wäre ich ohne meine Stress auslösenden Gedanken gewesen?

Wenn die Idee nie aufgetaucht wäre, dass man mir nicht an den Karren sollte fahren können? Oder wenn ich nicht geglaubt hätte, dass mein Leben besser wäre, wenn ich es schaffen könnte, immer eine reine Weste zu haben? Wenn ich nicht davon ausgegangen wäre, dass ich anderen eine Last bin, wenn ich emotional unausgeglichen bin?

Oh ja, dann hätte mein Leben anders ausgesehen. Ich atme tief durch und verspüre sofortige Erleichterung. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, mich mit anderen Kindern zu vergleichen und dann wäre alles so viel einfacher gewesen. Der eine ist so und der andere so, fertig. Das muss man sich weder erklären können, noch muss ich mir an den Braven ein Beispiel nehmen. Uff.

Sicher hätte ich als Kind den Worten der Erwachsenen nicht so viel Beachtung geschenkt und mehr auf das geschaut, was mir selber wichtig ist. Wahrscheinlich hätte ich nicht geglaubt, dass man sich Mühe geben muss, alles richtig zu machen. Dass ich es schaffen muss, acht Stunden pro Tag in der Schule still zu sitzen. Dass es meine Schuld ist, wenn ich nicht solange aufmerksam zuhören kann (Andere können das ja schließlich auch). Dass ich nicht wütend werden darf, wenn der Lehrer mich ungerecht behandelt.

Ich hätte nicht geglaubt, dass alles glattgehen muss. (Denn obgleich ich mich anstrengte, gelang mir das natürlich nicht. Ich habe während der Schulzeit einige Tadel nach Hause gebracht, die zu Hause weitere Tadel nach sich zogen)

Wenn ich das alles nicht geglaubt hätte, wäre ich schon als Kind davon ausgegangen, dass es o.k. ist, so zu leben, wie ich lebe. Dass es in Ordnung ist, das zu fühlen, was ich fühle. Ich hätte mich schon früher so nehmen können, wie ich bin. Ich hätte mich entspannen können und aus dieser Entspannung heraus hätten sich Lösungen für alle Arten von Problemen finden lassen.

Und auch im weiteren Verlauf hätte ich mein Leben mehr genießen können. Wenn es o.k. ist, dass mir jemand an den Karren fährt, fällt es mir viel leichter, damit umzugehen, wenn dies tatsächlich mal der Fall ist. Dann ist es eine normale Sache. Passiert halt. Dann wäre ich nicht so ein Mismatcher geworden. Ich hätte dann schon vorher die Teile in mir bemerkt, die sich danach sehnten, einfach mal anderen zu folgen. Ich hätte mir öfter erlaubt, mich harmonisch in ein System einzufügen, hätte mir erlaubt, einfach mal mitzuschwimmen.

Man sollte mir an den Karren fahren können. 

So lautet das Gegenteil meines belastenden Glaubenssatzes. Es ist eine Umkehrung des stressigen Gedankens. Meist steckt in so einem Gegenteil auch sehr viel Wahres, ich habe dort aber nie hingesehen, weil ich das ja nicht geglaubt habe. Der Verstand findet überwiegend Beispiele für das, was er glaubt. Könnte dieses Gegenteil also auch wahr sein? Kann ich auch dafür ein Beispiel finden? Inwiefern könnte es wahr sein? Oder: Wann in meinem Leben war es tatsächlich schon einmal wahr?

Nun, ich finde, man sollte mir an den Karren fahren können, wenn ich mich verrenne. Wenn ich dabei bin, etwas zu tun, was gegen mich, gegen die Natur oder gegen andere geht. Dann bin ich vielleicht sogar dankbar für klare Zeichen, für etwas, was mir die Augen öffnet. Die Zwerge haben Schneewittchen auch gesagt, sie solle nichts von Fremden annehmen. Aber wie wir gesehen haben, war das als Zeichen einfach nicht ausreichend.

Tatsächlich habe ich mich in meinem Leben schon öfter mal gefragt, warum mir in bestimmten Phasen niemand einen deutlichen Wink gegeben hat. Als ich in Paris als Model gearbeitet habe, war ich so dünn wie nie zuvor. Ich selber hatte mich daran gewöhnt, war ich doch von lauter ebenso dünnen Models umgeben. Ich passte in die Haute-Couture-Klamotten und bekam die Jobs. Es schien also alles richtig so zu sein. Dass ich keine Monatsblutung mehr hatte, fand ich eher angenehm, und auch mein Arzt meinte lediglich, ich könne ruhig ein bisschen mehr essen. Meine Eltern sagten später: »Na ja, wir wollten dir da in deine Sache nicht reinreden. «

Und man sollte mir an den Karren fahren können, weil ich gar keine Lust verspüre, mein Leben auf Unfehlbarkeit auszurichten. Ich möchte mir mein spontanes Handeln nicht untersagen, um mit vorher gut geprüften und mehrfach durchdachten Verhaltensmustern zu reagieren.

Und selbst dann wäre meine Unfehlbarkeit ja nicht garantiert. Je mehr ich sie garantieren möchte, umso mehr Angst habe ich vor Lücken im System. Selbst mit einer Unfehlbarkeit von 99 Prozent könnte ich nachts schweißgebadet aus dem Schlaf hochschrecken, weil der unkontrollierbare Super-Gau noch immer eine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent hat. Mich im Vorfeld ständig zu überprüfen, ist anstrengend, eine garantierte Spaßbremse und macht eine Heidenarbeit. Allein dafür müsste ich einen Assistenten einstellen. Hat Frau Merkel so einen Mitarbeiter, einen Fettnäpfchenvorausprüfer?

Wenn ich es so betrachte, wünsche ich mir geradezu, dass man mir an den Karren fahren kann. Das könnte eine weitere Nuance der Umkehrung sein. Die Umkehrung ins äußerste Gegenteil.

Ich sollte ein lebendiges, fehlbares Wesen sein. 

Ich will neugierig bleiben, wie ich wohl reagieren werde und mir nicht vornehmen, auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Und ich will dies auch dann tun, wenn meine Gefühle seit dem Zeitpunkt des Vornehmens schon wieder andere sind. Ich will dazu stehen können, dass meine Meinung sich ändert. Ja, das tut sie! Manchmal jahrelang nicht, dann wieder alle fünf Minuten. Ich möchte die Freiheit haben, alles, was ich mir aufgebaut und ausgedacht habe, auch wieder über den Haufen zu werfen und nochmal neu zu beginnen. Bis zum letzten Atemzug.

Und ich möchte, dass man mir an den Karren fahren kann, weil ich ein unkonventionelles Leben führen will. Das macht so viel Freude. Das hält mein Leben wach, das bringt Champagner ins Blut. Ich möchte heute nicht alles so machen wie gestern, ich möchte mich in letzter Sekunde umentscheiden dürfen, ich möchte aufrichtig sein. Frei nach dem beliebten Sprichwort: »Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert. « Endlich kann ich dann meinen Impulsen folgen, denn dann habe ich ja nichts mehr zu verlieren. Könnte sein, dass konventionell denkende Menschen sich davon hin und wieder bedroht fühlen.

Und obgleich ich mich jetzt darauf freue, dass mir demnächst mal wieder jemand so richtig an den Karren fährt, möchte ich Ihnen hier noch eine Möglichkeit vorstellen, wie mir (und Ihnen) dennoch niemand mehr ernsthaft an den Karren fahren kann. Stellen Sie sich vor, alle könnten alles zu Ihnen sagen. Die schlimmsten Dinge. All das, was Sie wirklich nicht hören wollen, Ihren ultimativen Alptraum »Du bist ekelhaft. Du bist ein Spielverderber. Immer machst du alles kaputt. Du hast kein Herz. «

Stellen Sie sich vor, Sie würden diese Worte an sich selbst gerichtet hören (oder sie würden Ihnen über drei Ecken zugetragen). Sie hören sie, und anstatt in Aufruhr zu geraten, dagegen zu sein, anstatt sich anzustrengen, diese Anschuldigung zu widerlegen, gehen Sie in sich und fragen sich: »Könnte das wahr sein? Wäre es möglich, dass dieser Charakterzug in mir schlummert?« Möglicherweise können Sie sich sogar dafür öffnen, für diese Eigenschaften ein Beispiel zu finden. Können Sie eins entdecken? Können Sie vor sich selber ehrlich zugeben, dass es stimmt? Können Sie dazu stehen, dass auch dieser Anteil in Ihnen schlummert?

Wenn Sie es können, hört der Kampf auf. Der Widerstand. Das Leid. All die Versuche, den anderen umzustimmen, auf dass er eine bessere Meinung von Ihnen habe. All die Erklärungen, das Zurechtrücken Ihres Selbstbildes vor Ihnen selbst und anderen. Denn könnte es nicht sein, dass wir alles, was es in der Welt gibt, auch in uns tragen? Ja, auch Sie?

Schneewittchen müsste doch eigentlich, kaum dass der Apfelschnitz aus ihrem Hals gefahren ist und es sich den Prinzen gesichert hat, die böse Königin angreifen. Die hat ihm schließlich den Apfel angedreht, und das nicht etwa aus Versehen, sondern mit voller Absicht. Und der Apfel war ja nicht ihr erster Versuch, Schneewittchen aus der Welt zu schaffen. Um das Märchen so ausgehen zu lassen, wie Märchen üblicherweise ausgehen: ›Und so lebten sie in Ruhe und Frieden bis ans Ende ihrer Tage…‹ könnte Schneewittchen erkannt haben, dass es auch einen gierigen Anteil in sich trägt. Die Königin wollte die Schönste sein im ganzen Land und Schneewittchen wollte den Gürtel. Und es wollte den schönen roten Apfel. Unbedingt. Es war nicht so schwer, ihm immer wieder etwas anzudrehen.

Niemand kann Ihnen an den Karren fahren und dem Karren ernsthafte Schäden zufügen, wenn Ihr Karren flexibel ist, wenn er nachgibt (In Paris parken viele Autobesitzer ihre Wagen, ohne die Handbremse anzuziehen, damit man das Auto bei Bedarf ein Stück verschieben kann )

Also, man kann natürlich schon weiterhin versuchen, Ihnen an den Karren zu fahren, aber Sie werden nicht mehr verletzt aufschreien, Ihre kostbare Zeit mit Schimpfen verbringen oder gar mit Zurückschlagen. Und jemand, der Spaß daran hat, dass es ordentlich rumst und scheppert, wird bemerken, dass bei Ihrem Karren nicht so viel zu holen ist, und es anderswo versuchen.

Stellen Sie sich vor, jemand anders sagt aufgebracht lauter schlimme Dinge über Sie, und Sie reagieren darauf, indem Sie sagen: »Stimmt, du hast recht. «

Was passiert dann wohl? …..

Mehr erfahren Sie in meinem Buch „ Ich will mich ja selbst lieben“.

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Über Ina Rudolph

Zwanzig Jahre hat sie als Schauspielerin gearbeitet, dann lernte sie THE WORK kennen und lieben. Sie schreibt Bücher darüber, gibt Seminare, und hilft Menschen in Einzelsitzungen, bessere Perspektiven zu sehen als Kummer und Schmerz. Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie doch eine Nachricht über das Kontaktformular.

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